SSV Datteln

„Will man im Kreis Recklinghausen anderes Recht schaffen?“

Die acht Vereine im Bereich Haltern/Marl mit ihren 200 bis 250 Mitgliedern befahren teilweise seit über 80 Jahren (!) die Lippe. Hier finden keine Events, Trinkgelage oder Sportveranstaltungen statt, sondern da befahren jeweils zwei bis vier Kanuten mit ihren Kajaks die Lippe. Man bereitet sich in den Bootshäusern vor, bringt die Boote per Pkw zu einer der drei Einsatzstellen und fährt los bis zu einer anderen Einsatzstelle, mehr nicht. Wenn es hier zu Kontakten mit schutzwürdigen Bereichen kommt, so kann man das im Tages- oder Wochenbereich zeitlich nicht erfassen – dauert der Kontakt fünf Sekunden oder fünf Minuten? Ich stelle mir gerade vor, mit welchem Aufwand die Naturschützer z.B. die Tierwelt erfasst haben. Mit Sicherheit wurden zu diesem Zweck die Schutzbereiche auch für einen längeren Zeitraum betreten. Das könnte man auch einfacher haben, ich biete eine Mitfahrgelegenheit in meinem Kajak an. Eine bessere Gelegenheit, die Tierwelt störungsfrei zu beobachten, gibt es nicht. Weiter ist hier ist zu fragen, wie man die Tierwelt erfasst hat. Man geht ja nicht hin und zählt die Tiere. (...) Auf jeden Fall sind die Zahlen nicht belastbar, sie sind Annäherungswerte. Bedenkt man dann noch, dass diese Zahlen von den Umweltverbänden kommen, sind sie wegen Befangenheit vollkommen unglaubwürdig, sie können nicht objektiv sein. Nach Meinung der Umweltschützer hat sich die Population der einzelnen Tierarten trotz verbesserter Umweltbedingungen nicht vergrößert, sondern ist gleich geblieben. Als Grund müssen die Kanuten herhalten, man hat ja nichts anderes. (...) Dass Kanuten eine „Ökoschulung“ absolvieren müssen und sich dann auch so verhalten, will man nicht wahrhaben. Wenn „wilde“, nicht organisierte Bootfahrer sich daneben benehmen, so kann man das doch nicht der Mehrheit der Kanuten anlasten. Beim Kreis Coesfeld hat man das wohl anders beurteilt. Wie kann es angehen, dass man in bestimmten Bereichen der Lippe auf der rechten Seite bis zur Mitte des Flusses (Kreis Coesfeld) fahren darf, auf der linken Seite (Kreis Recklinghausen) nicht, wie zur Zeit der Zonengrenze an der Werra? Diese Regelung ist einfach nur lächerlich. Sie lässt erhebliche Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Recklinghäuser Planung aufkommen. Das sollte sich die Politik nicht antun. (...) Die vorgeschlagene Lösung, umzutragen und gegebenenfalls den Kanal zu befahren, zeigt, dass man überhaupt nicht ernsthaft an einer einvernehmlichen Lösung interessiert ist. Dieser Vorschlag ist einfach ..., wie auch immer. Der Kreistag sollte wissen, welche Folgen ein derartiger Beschluss hätte. Den Vereinen würde die Existenzgrundlage genommen und das auf der Grundlage nicht gesicherter Erkenntnisse. Was geschieht dann z.B. mit den Vereinen, mit ihren Bootshäusern und den damit verbundenen ehrenamtlichen Aktivitäten wie z.B. der Jugendarbeit? Bei der Abwägung der Belange sollte der Kreis auch berücksichtigen, dass die Kanuten ein uneingeschränktes Betretungsrecht für das Befahren der Lippe zum Zwecke des Sports haben und das seit fast 80 Jahren. Das kann man nicht ohne Weiteres wegwischen. Der Gesetzgeber lässt ausdrücklich eine einvernehmliche Nutzung von Naturschutzflächen durch den Natursport zu. Will man im Kreis Recklinghausen anderes Recht schaffen? Der Gesetzgeber geht davon aus, dass man besser eine einvernehmliche Lösung suchen sollte, als Verbote auszusprechen, die man überhaupt nicht durchsetzen kann. (...) Vielleicht sollte man sich mit den Entscheidungshilfen des Kuratoriums Sport und Natur e.V. mit der Überschrift „Natursport und das neue Bundesnaturschutzgesetz“ befassen, da ist man schon weiter.
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Kanusport und Naturschutz sind kein Widerspruch

Kanusport und Naturschutz sind kein Widerspruch Mit Spannung und Erstaunen verfolge ich als aktive Kanusportlerin die Auseinandersetzung um die Verabschiedung des Landschaftsplans Lippe. Dabei stellt sich mir die Frage: Wem geht es denn hier wo-rum? Ohne Handlungsbedarf – die Tier- und Pflanzenpopulation im betroffenen Bereich ist in den letzten Jahren nicht schlechter geworden – soll nun eine Neuregelung durchgesetzt werden. Der Lippeverband ist nicht der Auffassung, dass die Lippe für bestimmte Nutzergruppen komplett gesperrt werden müsste. Wohl aber der Naturschutzbeirat mit seinem Vorsitzenden, Thomas Schiffgens vom BUND. Dabei wird dem Leser subtil vermittelt, dass die Kanuten den Lebensraum von Tieren und Pflanzen auf der Lippe beeinträchtigen. Wer einmal mit Kanusportlern eine Tour auf der Lippe mitgemacht hat, wird dies kaum nachvollziehen können. Nicht umsonst werden Ökoschulungen durchgeführt und die Einheit von Mensch und Natur praktiziert. Dass laut Herrn Karl Malden, Landschaftsplaner des Kreises, im Bereich zwischen den extrem befahrenen Autobahnen A43/A52 und dem Chemiepark Marl die Tierpopulationen wesentlich kleiner sind, als man es erwarten müsste, halte ich für kein haltbares Argument. War doch in letzter Zeit viel darüber berichtet worden, dass die Vogelbestände zurückgehen, weil u.a. deren Nahrungsgrundlagen (Insekten, Kleintiere) stark dezimiert sind. Und das liegt nicht am Kanusport, sondern an der immer stärkeren Belastung bzw. Vergiftung der Umwelt. Nicht selten sammeln wir Kanuten auf unseren Paddeltouren die Überbleibsel von Grillpartys am Ufer und Leergut von kommerziellen Kanu- bzw. Kanadiertouren auf der Lippe ein. Auf der Homepage unseres Vereins steht nicht umsonst: „Kanusportler sind nicht nur Sportler, sondern, weil es der Ort ihrer vorzugsweisen Freizeitgestaltung ist, auch Naturliebhaber. Die Beobachtungen der Kanusportler am Ufer, auf dem Wasser, auf Inseln, an Bacheinläufen, an künstlichen Einläufen, können wertvolle Hinweise auf Verschmutzungen und Beschädigungen der Fauna und Flora liefern. Spontane Aufräum- und Müllsammelaktionen ergänzen unsere Umweltschutztätigkeiten. Der Deutsche Kanuverband, der Landesverband NRW und die örtlichen Vereine unterstützen den Umwelt- und Naturschutz durch Ökoschulungen ihrer Mitglieder.“ Dafür stehen alle Kanuvereine! Umso erstaunlicher die Äußerung von Dr. Bert Wagener von Bündnis 90/Die Grünen: „Die Kanuten gehören da nicht hin.“ Ja wohin denn sonst? Kanusport ist nun mal ein Sport auf Flüssen und Seen. Gleichzeitig schreibt er in seinem Profil: „Meine politischen Schwerpunkte sind die Umweltpolitik im weiteren Sinne. Hierin eingeschlossen sind die Bedürfnisse der Menschen nach Erholung, Sport, Gesellschaft und Natur.“ So so! Der Kanusport ist ein Sport für Jung und Alt mit einem sehr hohen Erholungswert und erfordert Teamgeist und eine hohe Affinität zur Natur. Die Vereine, die im betreffenden Bereich ihre Bootshäuser haben, wären in der Ausübung ihres Sports massiv beeinträchtigt. Gerade Rundtouren ohne Einsatz von Autos wären dort nicht mehr möglich. Es bleibt zu hoffen und zu erwarten, dass am 27. November die Abstimmung im Kreistag im verantwortlichen Sinne aller Beteiligten und Betroffenen stattfindet und nicht demnächst – als logische Folge – noch Wander- und Fahrradverbote beschlossen werden.
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